Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und pragmatischer Umgang mit der deutschen Mitbestimmung - das gehört zu einem modern geführten Unternehmen einfach dazu. Auch Ausländer, die in Deutschland Tochterunternehmen haben, sehen das offenbar nicht anders als ihre Kollegen in Deutschland. Beweis dafür ist eine Studie, die Dr. Sigurt Vitols vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung vorgelegt hat.
Die Untersuchung basiert auf einer Befragung von Managern der 400 größten deutschen Tochtergesellschaften ausländischer Unternehmen.
Auch wenn es die Debatte in Deutschland nahezulegen scheint: Keines der ausländischen Unternehmen würde allein wegen seiner Erfahrungen mit der Mitbestimmung in Erwägung ziehen, aus dem Land zu gehen oder neue Investitionen zu unterlassen. Mitbestimmung wird als ein Standortfaktor unter vielen anderen bewertet. Andere Faktoren wie Marktgröße/Marktdynamik, das Vorhandensein guter Infrastruktur und qualifizierter Arbeitskräfte sind wesentlich wichtiger und ausschlaggebender. Hohe Lohnkosten werden durch ebenfalls hohe Produktivität relativiert. Wie man unternehmerische Geschäftsziele vor Ort umsetzt, das überlassen die ausländischen Unternehmen mehr und mehr Managern mit Einblick und Fingerspitzengefühl in und für die nationalen Praktiken und Arbeitskulturen.
Die Bewertung der Einzelelemente des Systems der Arbeitsbeziehungen zeigt, dass die Mitbestimmung von den ausländischen Unternehmen insgesamt als zukunftsfähig eingeschätzt wird. Vor allem die Möglichkeit, auf betrieblicher Ebene Vereinbarungen abzuschließen, wird positiv bewertet und sogar mit dem hoch eingeschätzten dualen Berufsausbildungssystem gleichgestellt. Die Untersuchung belegt, dass ausländische Unternehmen sehr pragmatisch und wenig ideologisch mit der deutschen Mitbestimmungsgesetzgebung umgehen
Allerdings lassen sich nicht wenige potenzielle Investoren vom negativen Image der Mitbestimmung beeindrucken: Ohne genauere Kenntnis der Praxis erwägen sie erst gar nicht, nach Deutschland zu kommen. Hier besteht Bedarf, bereits im Vorfeld über das - zweifelsohne anspruchsvolle - deutsche Modell kooperativer Arbeitsbeziehungen mit dem Zusammenspiel zwischen Mitbestimmung und Tarifvertrag besser als bisher zu informieren