Dieses Fazit zieht das Forum Mitbestimmung und Unternehmen aus einer Studie des Bochumer BIT-Instituts (Berufsforschungs- und Beratungsinstitut für interdisziplinäre Technikgestaltung e.V.). Dabei hat der Organisationsentwickler Dr. Manfred Wannöffel fünf Unternehmensbeispiele aus der mittelständischen Metall- und Möbelindustrie genauer untersucht.
Diese Unternehmen waren in den vergangenen Jahren dem Konkurrenz- und Kostendruck durch internationale Märkte, besonders denen Osteuropas, ausgesetzt. Sie haben durch Investitionen in ihr Humankapital und in beteiligungsorientierte Produktionsprozesse Antworten auf die gewachsene Niedriglohnkonkurrenz gefunden. Selbst existenzielle Not hat auch ausländische Konzernleitungen nicht davon abgehalten, Freiräume für den vergleichsweise aufwändigen Weg der kooperativen Modernisierung zu gewähren. Sie haben nicht allein - wie viele andere - den Wirkungen schnell von oben eingeführter technologischer Veränderungen vertraut. Die untersuchten Unternehmen Karl Bröcker (Möbel), d.yes Haworth Büroeinrichtungen, Philips Bildröhrenfabrik, Carl Froh Rautaruukki (Automobilzulieferer) und Georg Fischer (Automobilzulieferer) haben ihre wirtschaftlichen Ergebnisse durch konsequente Kunden-, Qualitäts- und Mitarbeiterorientierung nachweislich verbessern können. Sie lassen sich gerne von Interessierten auf ihren Weg zum Erfolg ansprechen.
Der industrielle Mittelstand ist - in ähnlicher Weise wie die sog. New Economy- Unternehmen - auf sein qualifiziertes (Facharbeiter)Personal angewiesen. Erfolg oder Mißerfolg der Restrukturierung steht und fällt damit, inwieweit es gelingt, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Veränderungen zu gewinnen, sie zu Trägern neuer Arbeits- und Unternehmensorganisation zu machen. Konzepte und Methoden dafür gibt es zuhauf. Entscheidend ist, wie und ob man zu Experimenten und schließlich zu maßgeschneiderten Lösungen kommt, die unter allen Beteiligten Akzeptanz finden. Dieser Weg ist von den Unternehmensleitungen offensiv gewollt und an ihm wurde auch bei Rückschlägen, Skepsis oder wirtschaftlich raueren Tagen festgehalten.
"Nicht das vordergründige politische Gezerre um Mitbestimmungsregelungen und eine überzogene Kostendiskussion, sondern praktische Unterstützung und Qualifizierung des kooperativen Wegs hilft mittelständischen Unternehmen weiter, ihren Standort in Deutschland, und damit Arbeitsplätze und wirtschaftliche Prosperität in den Regionen zu behaupten," kommentiert Dr. Norbert Kluge die Ergebnisse der BIT-Studie. Kluge leitet das gemeinsam von Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung getragene Forum Mitbestimmung und Unternehmen.