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Benchmarking Mitbestimmung - Positive Effekte durch Betriebsräte
Das Forum Mitbestimmung und Unternehmen - eine gemeinsame Initiative von Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung hat Manager gefragt: Wie leistungsfähig sind verschiedene Formen der Mitarbeiterbeteiligung für das lernende Unternehmen? Ergebnis: Durch die betriebliche Mitbestimmung erfahren Entscheidungen des Managements eine höhere Akzeptanz. so das Urteil von zwei Drittel der Befragten. Fast die Hälfte sehen im Einfluss der Betriebsräte auf Unternehmensentscheidungen sogar eine Verbesserung der "Qualität von Entscheidungen".
Das lernende Unternehmen - ein Betrieb, der sich ständig neuen Markterfordernissen anpassen kann. Wer will das nicht gern erreichen? Beteiligung und Information sind dafür die Schlüssel. Das zeigen die Ergebnisse eines Benchmarkingprojekts, mit dem die Bertelsmann Stiftung und die Hans-Böckler-Stiftung die ökonomische Leistungsfähigkeit verschiedener Beteiligungsformen bewertet hat. In einer ersten Phase wurden Geschäftsführer und Personalleiter mittelständischer Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe zum Erfolg ihrer betrieblichen Veränderungsprozesse befragt.

Die Ergebnisse dieser Befragung verdeutlichen: Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen der Qualität der Arbeitnehmerbeteiligung und erfolgreichem betrieblichen Strukturwandel. So legen erfolgreiche Unternehmen besonderen Wert darauf, ihre Mitarbeiter möglichst umfassend über geplante Veränderungsprozesse zu informieren und in Projektgruppen zu beteiligen. Betriebsräte werden in diesen Unternehmen über den gesetzlichen Rahmen hinaus beteiligt.

Nach Einschätzung der Unternehmensleitungen wird zwar durch die betriebliche Mitbestimmung einerseits die Geschwindigkeit von Entscheidungsprozessen geringer - ein Tatbestand, der oft als Argument gegen eine Ausweitung von Beteiligung ins Feld geführt wird. Weil sie jedoch gleichzeitig die Akzeptanz bei den Mitarbeitern erhöht, trägt die betriebliche Mitbestimmung zur besseren und nachhaltigeren Umsetzung von Entscheidungen bei. Etwa zwei Drittel der befragten Manager gaben an, dass durch die betriebliche Mitbestimmung die Akzeptanz von Managemententscheidungen erhöht wird. Dabei funktionieren Betriebsräte nicht einseitig als Transmissionsriemen der Unternehmensleitung; sie beeinflussen auch die Unternehmenspolitik. Fast die Hälfte der Befragten sieht darin eine Verbesserung der "Qualität von Entscheidungen".

Für das Gelingen von Veränderungen kommt der Informationsoffenheit im Unternehmen eine besondere Bedeutung zu. Die Ergebnisse zeigen einen engen Zusammenhang zwischen dem Grad, in welchem die Mitarbeiter über Unternehmensinformationen (Ertragslage / Reorganisationsprozesse) verfügen und dem Erfolg von Veränderungsprozessen. Interessant ist dabei, dass die Beschäftigten in Betriebsratsunternehmen im Durchschnitt über mehr Unternehmensinformationen verfügen. Die betriebliche Mitbestimmung fördert offenbar die Informationsoffenheit im Unternehmen- ein Befund, der den oben beschriebenen Informations- und Kommunikationseffekt untermauert.

Grundlage dieser informations- und akzeptanzfördernden Effekte ist das Betriebsverfassungsgesetz. Ohne den gesetzlichen Mitbestimmungsrahmen wäre keine Unternehmensleitung angehalten, Belegschaftsvertreter in Entscheidungen über Veränderungen im Unternehmen einzubeziehen. Andererseits zeigt die Befragung, dass die Zusammenarbeit zwischen Unternehmensleitung und Betriebsrat gerade dort besonders kooperativ ist, wo das Gesetz eher im Hintergrund steht, wo also pragmatisch und wenig formalistisch gehandelt wird.

"Wenn jetzt die gesetzlichen Grundlagen für Informationsqualität, nämlich bessere Arbeitsmöglichkeiten für den Betriebsrat, gestärkt werden sollen, so ist dies sicherlich zu begrüßen. Eine effektivere Zusammenarbeit entsteht daraus jedoch nicht automatisch. Hier ist insbesondere die Unternehmensleitung gefordert, für eine Unternehmenskultur zu sorgen, die eine vertrauensvolle Zusammenarbeit ermöglicht", so Dr. Norbert Kluge, Leiter des Forums Mitbestimmung und Unternehmen.

Informationen zur Umfrage:
Für diese standardisierte Umfrage wurden 660 Unternehmen angeschrieben, geantwortet haben 76 (Rücklaufquote 11,5%). Das Sample besteht aus mittelständischen Automobilzulieferern, Möbelproduzenten, Produzenten von Datenverarbeitungs- und Meßtechnik, Pharmaherstellern sowie Unternehmen aus verschiedenen Benchmarking-Wettbewerben und Innovationsprogrammen.
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