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07.03.2012

Online-Umfrage von www.frauenlohnspiegel.de

Frauen nicht nur beim Gehalt im Nachteil

Lohn und Gehalt
Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst von Frauen liegt in Deutschland rund 21 Prozent unter dem der Männer. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Online-Umfrage der Internetseite www.frauenlohnspiegel.de.

Der Frauenlohnspiegel wird vom WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung betreut und bietet einen Lohn- und Gehalts-Check zu rund 300 Berufen. Die Umfrage basiert auf den Angaben von knapp 22.000 Frauen und Männern, die sich im Jahr 2011 an der Online-Erhebung beteiligt haben. Die Daten sind nicht repräsentativ, die große Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewährleistet jedoch verlässliche Orientierungsgrößen. So liegt der im Frauenlohnspiegel beobachtete Verdienstrückstand von Frauen in etwa auf dem Niveau, das beispielsweise die OECD oder die EU-Kommission aus anderen Datenquellen ermittelt haben.

Sonderzahlungen
Nicht nur beim monatlichen Gehalt, sondern auch bei den Sonderzahlungen haben die Frauen das Nachsehen: 60,9 Prozent der Männer haben nach eigenen Angaben eine Sonderzahlung in Form eines Weihnachtsgeldes erhalten, Frauen dagegen nur zu 57,4 Prozent. Männer bekamen zu 56,1 Prozent ein Urlaubsgeld, Frauen dagegen nur zu 46,7 Prozent. Männer erhielten zu 28,3 Prozent eine Gewinnbeteiligung, Frauen dagegen zu 21,7 Prozent.

Tarifbindung
Frauen profitieren von der Tarifbindung, und zwar noch stärker als Männer: Frauen in tarifgebundenen Betrieben verdienen im Schnitt 23,7 Prozent mehr als in nicht gebundenen Betrieben. Bei Männern beträgt das Plus in tarifgebundenen Betrieben dagegen 21,9 Prozent. Frauen arbeiten zu rund 46 Prozent in Betrieben mit Tarifbindung, Männer dagegen zu rund 54 Prozent.

Arbeitszeit/Überstunden
54 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen arbeiten im Allgemeinen mehr als vertraglich vereinbart. Die Vergütung der Überstunden fällt unterschiedlich aus. Bei den Frauen spielt der Freizeitausgleich mit fast 53 Prozent eine deutlich größere Rolle als bei den Männern mit 40 Prozent. Bezahlung mit Überstundenzuschlag kommt bei den Männern mit 10,3 Prozent deutlich häufiger vor als bei Frauen mit 3,7 Prozent. Im Übrigen erhalten beide Gruppen zu rund einem Viertel keine Vergütung für Überstunden.

Beförderung und Aufstiegschancen
Rund 21 Prozent der Frauen, aber knapp 31 Prozent der Männer geben an, dass sie in dem Betrieb, in dem sie arbeiten, einmal befördert worden sind.

Anforderungen an neuen Job
Relativ ähnlich sind die Erwartungen von Frauen und Männern an einen möglichen neuen Job: Als die drei wichtigsten Kriterien nennen beide Gruppen jeweils eine unbefristete Anstellung, angenehme Kolleginnen und Kollegen, ein besseres Gehalt. Frauen legen etwas mehr Wert als Männer auf geeignete Arbeitszeiten und vertretbare Wegezeiten. Teilzeitmöglichkeiten sind ihnen deutlich wichtiger als den Männern.

Die wichtigsten Gründe für den Einkommensabstand der Frauen zu den Männern sind nach den Erkenntnissen des WSI:

Frauen 

  • arbeiten vielfach in Wirtschaftszweigen und Berufen mit niedrige(re)m Einkommensniveau,
  • sind in Leitungs- und Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert,
  • haben Nachteile aufgrund von familienbedingter Berufsunterbrechung, 
  • arbeiten häufiger in - schlechter bezahlten - Teilzeitarbeitsverhältnissen, 
  • sind Opfer mittelbarer Diskriminierung - etwa durch nicht geschlechtsneutrale Tarifverträge oder
    durch falsche betriebliche Eingruppierung.

„Leider gilt nach wie vor: Zum Teil werden Frauen schlechter bezahlt, weil sie Frauen sind" fasst WSI-Experte Dr. Reinhard Bispinck die WSI-Analyse zusammen.

Die Daten des WSI-Frauenlohnspiegels sollen dazu beitragen, mehr Trans-parenz zu schaffen. „Wir stellen fest, dass es ein hohes Interesse an Informationen über die nach wie vor bestehenden gravierenden Unterschiede zwischen den Arbeits- und Einkommensbedingungen von Frauen und Männern gibt", so Bispinck. An der Online-Befragung zu den Einkommens- und Arbeitsbedingungen können sich alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beteiligen

Kontakt:

Dr. Reinhard Bispinck 
Leiter des WSI-Tarifarchivs

Rainer Jung
Leiter Pressestelle

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