Flexible Familienernährerinnen

Forschungsschwerpunkt: Erwerbsarbeit im Wandel

Status: abgeschlossen

Projektende: 31.01.2011

Projektnummer: 2008-81-3

Projekttitel: Flexible Familienernährerinnen

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Projektziel:

Das Projekt untersucht auf der Basis quantitativer Analysen und einer qualitativen Studie die sozio-strukturelle Verfasstheit und die Alltagsarrangements westdeutscher Erwerbshaushalte, in denen Frauen als "Familienernährerin" den überwiegenden Teil des Haushaltseinkommens erwirtschaften. Gefragt wird u.a. danach, wann von "Prekarität im Lebenszusammenhang" gesprochen werden kann.

 

Veröffentlichungen:

 

Projektbeschreibung:

1. Kontext

Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt und in den Familienstrukturen legen die Annahme nahe, dass der Anteil der Familienernährerinnen in Paar- und Familienhaushalten steigt. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass sich die weitere Erwerbsintegration von Frauen unter den Vorzeichen atypischer Beschäftigungsbedingungen vollziehen wird. Nur ein Teil der Frauen wird infolge hoher Qualifikation und guter Erwerbsposition zur Familienernährerin. Die Familienernährerinnenposition dürfte auch Konsequenz der verunsicherten männlichen Erwerbspositionen sein und die Frauen mit ambivalenten Normvorstellungen konfrontieren. Es ist nicht davon auszugehen, dass Veränderungen in der Einkommensrelation der Partner spiegelbildlich Veränderungen in der Aufteilung der Reproduktionsarbeit nach sich ziehen. Reduzierte Gestaltungsoptionen resultierend aus atypischer Beschäftigung, familiale Erfordernisse und weitere lebensweltliche Faktoren können zur Entstehung von Prekarität im Lebenszusammenhang führen.


2. Fragestellung

Ziel des Projektes ist es erstens, mittels quantitativer Analysen zur Beantwortung der Frage beizutragen, unter welchen Bedingungen Frauen in Westdeutschland zu Familienernährerinnen werden und wie es um die sozio-ökonomische und -strukturelle Verfasstheit dieser Gruppierung bestellt ist. Ein zweites Anliegen des Projektes ist es, mittels einer qualitativen Untersuchung die Arbeits- und Lebensbedingungen von westdeutschen, abhängig beschäftigten Familienernährerinnen mit Fürsorgeaufgaben zu beleuchten. Um ergründen zu können, wann von einem prekären Lebenszusammenhang gesprochen werden kann, ist die Position der Ernährerinnen in ihren Familien, in den Betrieben und in der Gesellschaft in den Blick zu nehmen und deren Entwicklung im Lebensverlauf zu untersuchen. Es sollen Wechselwirkungen zwischen potentiell prekären Beschäftigungsverhältnissen und weiteren Lebensbereichen analysiert werden, wobei die Aufmerksamkeit etwaigen Widersprüchen zwischen Erwerbs- und Fürsorgearbeit gilt.


3. Untersuchungsmethoden

Mittels quantitativer Auswertungen von SOEP-Daten werden Mehrpersonenerwerbshaushalte, in denen die Frau den überwiegenden Teil (mindestens 60 %) des Einkommens erwirtschaftet, in Bezug auf ihre Charakteristika untersucht und mit anderen Einkommens- und Geschlechterarrangements (egalitäre Paare, Familien mit männlichem Familienernährer) verglichen. Im Rahmen des im Zentrum des Projekts stehenden qualitativen Untersuchungsparts wurden 45 leitfadengestützte, problemzentrierte Interviews mit atypisch beschäftigten Familienernährerinnen mit Fürsorgeaufgaben und eine Gruppendiskussion durchgeführt. Das empirische Material wurde anschließend codiert und mittels computergestützter Datenanalyse ausgewertet; weiterhin wurden fünf vertiefende Fallanalysen vorgenommen. Zu ausgesuchten Schwerpunkten erfolgt ein Vergleich der Resultate aus der Untersuchungsregion "Ruhrgebiet" mit jenen des parallel arbeitenden Kooperationsprojektes für Ostdeutschland (unter Leitung von Dr. Christina Klenner am WSI)


4. Darstellung der Ergebnisse

- Inzwischen fungiert in etwa einem Fünftel der Mehrpersonenerwerbshaushalte (Paarfamilien und Alleinerziehendenfamilien) eine Frau als "Familienernährerin".

- Für die Wahrscheinlichkeit einer Familienernährerinnenkonstellation ist die Situation des Mannes entscheidender als die Situation der Frau.

- Frauen ernähren ihre Familien unter anderen, häufig schwierigeren Bedingungen als Männer.

- Familienernährerinnenhaushalte charakterisieren sich wenig durch gewandelte Rollenbilder. Vielfach wird der Mann weiterhin als "ausgefallener Ernährer" empfunden.

- Prekarität im Lebenszusammenhang zeigt sich bei jenen Familienernährerinnen, die sich infolge früherer Lebensentscheidungen mit ihrer heutigen familiären und beruflichen Situation in dauerhaft unerwünschten und fragilen Lebensarrangements wiederfinden. Aufgrund mangelnder und nicht wirkender Ressourcen haben sie nur unzureichende Möglichkeiten, die Rolle der Familienernährerin positiv zu füllen.

- Bei beruflich etablierten und erfolgsorientierten Familienernährerinnen zeigen sich trotz noch vielfach fehlender akzeptabler Rollenmuster für die Männer Chancen für eine neue Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern.


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